Neue Erkenntnisse zum Darmparasiten Giardia -

einem Gesundheitsrisiko für Hund und Mensch

  
1 - Vorkommen
Giardia (syn. Lamblia) duodenalis ist weltweit verbreitet. Dieser Darmparasit kommt bei zahlreichen Tierarten einschließlich bei Hund und Mensch vor.

Bei erwachsenen Hunden tritt Giardia-Befall auch unter guten Haltungsbedingungen bei ca. 10% der Tiere auf. Bei Welpen und Junghunden können jedoch 50% der Tiere Giardia im Darm haben.

In Zwingeranlagen und Tierheimen kann sich bei Einschleppung einer Infektion praktisch jedes Tier anstecken, was dann einer Befallsrate mit Giardia von 100% entspricht. 

  
2 - Artmerkmale und Entwicklung
Das an der Darmschleimhaut parasitierende Stadium heißt Trophozoit. Dieses ist mikroskopisch klein. Die Zellstrukturen verleihen dem Trophozoiten eine eher komische Gestalt mit Quasten, Augen, Nase und grinsendem Mund. 

       (Abbildungen)

  
3 - Befallsmodus
Die Ansteckung eines Hundes erfolgt insbesondere durch Abschlucken von Zysten, die aus der Umgebung aufgenommen werden. Die Gefährdung ist sehr groß, da bereits 10 Zysten ausreichend für die erfolgreiche Infektion beim Hund sind.

   
4 - Anzeichen der Erkrankung (Giardiose)

Starker Befall, besonders häufig bei Junghunden und Welpen, sowie geschwächten Tieren, zeigt sich im Leitsymptom langandauernder Durchfall. Der Kot der erkrankten Hunde ist meist etwas heller in der Farbe, riecht übel und kann Blutspuren aufweisen. Schlechte Nahrungsverwertung, Gewichtsverlust und Kümmern treten zusätzlich zum Durchfall auf. Der Appetit bleibt jedoch fast immer erhalten. Bei erwachsenen Hunden sind die Anzeichen einer Erkrankung seltener, sie können jedoch als Zystenausscheider andere Hunde anstecken!

  
5 - Infektionsgefahr für den Menschen
Ja! Mittlerweile wurde Giardia von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als ein Darm- parasit eingestuft, der von Tier auf Mensch übertragbar ist (sogenannter Zoonose-Erreger).

Insbesondere bei Kindern kann sich eine Giardiose in den Krankheitszeichen Durchfall, Mangelernährung und Wachstumsverzögerung äußern. Beim Menschen ist der Befall mit Giardia die häufigste Darmparasitose in den westlichen, industrialisierten Ländern!           Fliegen können grundsätzlich Giardia-Zysten auf die Nahrung von Hund und Mensch ver- schleppen

 
6 - Nachweis des Erregers im Kot
  • mikroskopisch
  • durch spezielle immunologische Verfahren (z.B. ELISA-Antigentest)
 
7 - Vorbeugung
Schutz des Hundes
  • Beseitigung von Wasser/Futter, das mit Kot beschmutzt ist
  • Trockenlegung von feuchten Arealen (z.B. Pfützen) in Ausläufen
  • Befestigungen der Ausläufe
  • Reinigung der Boxen und Zwinger mit Dampfstrahlgeräten (gut abtrocknen lassen!)
  • Regelmäßige Behandlung aller Hunde gegen Giardia und auch  Würmer (weil eine bestehende Infektion nicht sichtbar sein muß).
Schutz des Menschen

Die Giardia-Bekämpfung beim Hund ist ein wichtiger Schritt, um eine eventuelle Übertragung auf den Menschen zu verhindern. Bei kleinen Kindern ist es besonders wichtig auf das Händewaschen nach dem Spielen im Sandkasten und nach Streicheln von Hunden zu achten.

Erstellt am 01.05.2000

Quelle: Birgit und Heinz Mehlhorn, Gefahren für Hund und Halter: Maßnahmen zur Abwehr von Schädlingen; Springer Verlag.